Erfolgreiche Geschäftsideen von MigrantInnen schaffen Arbeitsplätze hier und dort – Potenziale nützen

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Bei der Gründung  internationaler Unternehmen haben Menschen mit Migrationshintergrund einen klaren Startvorteil. Oft braucht es nur eine Anschubfinanzierung, wie eine neue Studie des ICMPD zeigt. Unternehmerische Aktivitäten von MigrantInnen werden bereits weltweit gefördert, Österreich prüft nun eine ähnliche Förderschiene. 

WIEN, 19 Oktober 2015 – Dank ihrer Kenntnisse von Sprache und Kultur ihrer Herkunftsländer haben Menschen mit Migrationshintergrund beste Voraussetzungen, um erfolgreiche transnationale Geschäftsbeziehungen herzustellen. Aufgrund ihrer persönlichen Verbindung sind sie bereit, in die oft risikoreichen Märkte zu investieren. 

Solche transnationalen Unternehmen können zu globaler Entwicklung und Armutsreduktion beitragen. Im Gegensatz zu öffentlich geförderten Sozialprojekten erhalten sich Unternehmen finanziell selbst. Sie fördern Technologie- und Wissenstransfer, schaffen Arbeitsplätze und öffnen Märkte. Als Wegbereiter ziehen sie  weitere Investitionen an und können so die gesamte Wirtschaft einer Region stärken, wie etwa das Unternehmen von Astrit Hyseni: in den 1990er Jahren kam Hyseni zum Studium nach Wien, nun leitet er im Kosovo eine IT und Marketingagentur mit 25 Angestellten. Weil die Arbeitslosigkeit im Kosovo bei 35% liegt, hat jede Investition einen unmittelbaren Entwicklungseffekt. Die jungen talentierten Angestellten von Hyseni mussten das Land nicht verlassen um einen Job zu finden. 

Um die positive Wirkung ihrer Firma zu verstärken, haben Diaspora-Unternehmen häufig einen sozialen Fokus, wie etwa jenes der Nigerianerin Joana Adesuwa Reiterer: „Unser Österreich-Nigerianisches Unternehmen ist ein soziales Mode-Label, mit dem wir Ausbeutung und Menschenhandel vorbeugen wollen. Das ist unsere Mission!“

Dass das unternehmerische Potenzial von MigrantInnen noch lange nicht ausgeschöpft ist und es maßgeschneiderte Förderschienen braucht, zeigt Valerie Wolff vom ICMPD in einer Machbarkeitsstudie. MigrantInnen müssen viele Hindernisse überwinden um ein Unternehmen zu gründen. Insbesondere der Zugang zur Finanzierung von Firmengründungen in Ländern mit hohem Risiko ist besonders schwierig. 

In Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz und weiteren Ländern gibt es bereits maßgeschneiderte Unterstützungsprogramme. Das Service reicht von finanzieller Unterstützung durch Kredite oder Zuschüsse, über Weiterbildungen, Coaching und Mentoring.

In Österreich wird nun das Potenzial eines ähnlichen  Programms diskutiert. Die von ICMPD durchgeführte und von der Austrian Development Agency, der Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit, finanzierte Machbarkeitsstudie untersuchte den Bedarf. Während es ein umfassendes Angebot für MigrantInnen, die als Klein(st)unternehmer in Österreich tätig sind gibt, fehlen derzeit Unterstützungen für Wirtschaftsaktivitäten von MigrantInnen in Herkunfts- und Entwicklungsländern. 


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FOTOS

Pressefotos vom heutigen Event, Joana Adesuwa Reiterer und Astrit Hyseni sind zum Download verfügbar. Copyright:  Angelo Kreuzberger  


HINTERGRUNDINFORMATIONEN 

IN DER AUSSENDUNG GENANNTE UNTERNEHMEN

Joana Adesuwa Reiterer, Geschäftsführerin und Gründerin von Joadre


Im Alter von 19 Jahren gründete Joana Adesuwa Reiterer ein Modeunternehmen mit eigenen Kollektionen in Nigeria. Gleichzeitig war sie in der Filmindustrie tätig und studierte Polymertechnologie. Im Jahr 2003 übersiedelte Frau Adesuwa Reiterer nach Österreich und gründete 2006 den Verein EXIT mit dem Ziel, Frauenhandel aus Afrika zu bekämpfen. Als Vereinsobfrau von EXIT hat sie mehrere internationale Veranstaltungen organisiert um das Bewusstsein für das Thema Menschenhandel zu stärken. Außerdem ist Joana Adesuwa Reiterer als Filmproduzentin, Eventmanagerin und Autorin tätig. Darüber hinaus hat sie 2014 das Unternehmen Joadre gegründet. 


Joadre ist ein afrikanisch inspiriertes Mode- und Lifestyleunternehmen. Es verfolgt das Ziel, Menschenhandel durch die Sensibilisierung von VerbraucherInnen zu verhindern. Joadre macht Aufklärungsarbeit und bietet Produkte an, die von Betroffenen von Menschenhandel und gefährdeten Frauen hergestellt werden. Die Mode von Joadre setzt minimale Akzente aus farbenfrohen afrikanischen Stoffen ein, die modisch geschnitten sind, um einen eleganten und lässigen Look zu schaffen. Durch eine innovative Verpackungs- und Kommunikationsstrategie sensibilisiert Joadre mit jedem Produkt und gibt Opfern von Menschenhandel eine Stimme.



Astrit Hyseni, Geschäftsführer und Gründer von Rrota


Um an der Wiener TU Informatik zu studieren, verließ Astrit Hyseni im Alter von 21 im Jahr 1993 den Kosovo. Während seines Studiums arbeitete er freiberuflich und gründete 1998 seine eigene Firma in Österreich. Nach dem Kosovokrieg beobachtete er die Geschäftsmöglichkeiten in seiner Heimat und beschloss 2004 zurückzukehren, um gemeinsam mit einem Freund das Unternehmen Rrota zu gründen. Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit ist Astrit Hyseni Dozent an der öffentlichen Universität Pristina, an der Privatuni AAB und der Universität für Wirtschaft und Technologie im Kosovo. 


Rrota ist ein auf digitale Kommunikation spezialisiertes Unternehmen. Seit ihrer Gründung 2004 hat die Firma prestigeträchtige Projekte durchgeführt und unter anderem die Website des Parlaments des Kosovo sowie der Stadt Tirana entwickelt, wie auch Web-Anwendungen für Raiffeisen und die ProCredit Bank auf den Markt gebracht. 


Seit 2010 ist die Firma im „nearshoring“ aktiv und bietet IT-Dienstleistungen für Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an. Rrota hat auch Kunden in Norwegen, England und Belgien. Derzeit beschäftigt die Firma 25 MitarbeiterInnen und macht rund 70% ihres Umsatzes durch Outsourcing-Dienstleistungen.



ICMPD UND DIE MACHBARKEITSSTUDIE 


Das Internationale Zentrum für Migrationspolitikentwicklung (ICMPD) ist eine internationale Organisation mit Sitz in Wien. Das Zentrum unterstützt Regierungen und Institutionen bei der Ausarbeitung innovativer, umfassender und langfristiger Migrationsstrategien. Weiters bietet ICMPD eine Plattform für Dialog und Informationsaustausch. Neben seiner Vertretung in Brüssel hat es 7 Projektbüros in verschiedenen Ländern. 


Das  Kompetenzzentrum „Migration und Entwicklung“ des ICMPD  arbeitet  unter anderem zu Diaspora Entrepreneurship. Von März bis Oktober 2015 wurde die Link Up! Machbarkeitsstudie erstellt, die das Potential von „Diaspora Entrepreneurs“ für globale Entwicklung untersucht.


ICMPD hat die Machbarkeitsstudie beim Symposium „Diaspora Entrepreneurship: Opportunities and Challenges“ am 19.  Oktober in im Impact Hub in Wien vorgestellt. Auf Anfrage sind die Ergebnisse verfügbar. 

 

IMPACT HUB


Impact Hub Vienna ist inspirierender Arbeits- und Kreativraum und eine Plattform für Menschen und Organisationen, die durch Kooperation und Unterstützung gesellschaftlich wirkungsvolle Ideen entwickeln und umsetzen.

 

INTERVIEWANFRAGEN

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Sonia Niżnik
T: +43 1 504 4677 2444
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